Hoi An ist so eine Stadt, in der man eigentlich nur zwei, drei Tage bleiben wollte – und dann plötzlich eine Woche später immer noch sitzt. Ich war zweimal dort, und beide Male hat mich der Vibe der Stadt einfach festgehalten. Die Altstadt mit ihren gelben Häusern und bunten Laternen, der Fluss am Abend, das Essen an jeder Ecke – und die Möglichkeit, sich Klamotten schneidern zu lassen, die man sechs Jahre später immer noch täglich trägt. Touristen gibt es viele. Aber Hoi An hat trotzdem Charme.

Die Altstadt von Hoi An
Die Altstadt ist das Herzstück von Hoi An – und das zu Recht. Seit 1999 ist sie UNESCO-Weltkulturerbe, und wenn man einmal durch die engen Gassen geschlendert ist, versteht man sofort warum. Hoi An war einst der größte Hafen Südostasiens, an der Seidenstraße gelegen – und genau das sieht man noch heute: japanische, chinesische, vietnamesische und europäische Kolonialarchitektur stehen Tür an Tür. Das Ergebnis ist eine der am besten erhaltenen Altstädte der Region.
Für den Eintritt in die Altstadt und fünf Sehenswürdigkeiten zahlt man 120.000 VND (~5 €) — das Ticket ist 24 Stunden gültig. Pflichtprogramm: die Japanische Brücke, Symbol der Stadt, und die alten Handelshäuser mit ihren verwinkelten Innenhöfen. Wer mehr als fünf Sehenswürdigkeiten besuchen will, kauft einfach ein zweites Ticket.




🎟️ Eintritt Altstadt: 120.000 VND (~5 €), inkl. 5 Sehenswürdigkeiten
🕐 Beste Zeit: morgens früh oder ab 18 Uhr wenn die Laternen leuchten
💡 Tipp: Abends wird die Altstadt zur Fußgängerzone — dann ist die Atmosphäre am schönsten
Klamotten schneidern lassen – Mr. Xe
Hoi An ist berühmt dafür, und der Ruf ist verdient: Nirgendwo in Vietnam lässt sich günstiger und besser schneidern als hier. Ich habe mir Leinenhosen machen lassen – und trage sie heute, sechs Jahre später, immer noch regelmäßig. Die Qualität ist wirklich gut, der Preis ein Bruchteil von dem, was man in Europa zahlen würde.
Wenn es einen Schneider gibt, den ich empfehlen kann, dann Mr. Xe. Er ist über Hoi An hinaus bekannt, weil er ein absoluter Perfektionist ist – und weil ihm wirklich daran liegt, dass du den Laden glücklich verlässt. Plant etwas Puffer ein, denn fast jedes Stück braucht eine Anprobe und Nachbesserung. Das ist kein Fehler, das ist Qualitätskontrolle. Am besten weißt du vorher grob, was du willst – mit Foto oder Beschreibung kommt man schneller zum Ziel.
Mit dem Fahrrad durch die Reisfelder
Hoi An entschleunigt – und am besten spürt man das auf dem Fahrrad. Viele Unterkünfte verleihen Räder kostenlos oder für wenig Geld. Einfach losradeln, am Thu Bon Fluss entlang oder rein in die Reisfelder. Man hat keine Agenda, keine Taktung – man fährt einfach.
Jetzt aber eine ehrliche Warnung aus eigener Erfahrung: Teste das Fahrrad vorher. Ich bin mal mit einer weißen Leinenhose losgefahren – Bambusfahrrad, sah gut aus. Irgendwann auf der Strecke bricht das Sattelrohr ab, ich lande mit den Weichteilen direkt auf dem sich drehenden Reifen und ramme mir dabei noch die Stange in den Oberschenkel. Die weiße Hose war danach rot. Also: kurz draufsetzen, wackeln, Bremsen testen – dann erst losfahren.
Tipp: Morgens früh losfahren, bevor es zu heiß wird. Zum Strand nach An Bang sind es nur ein paar Kilometer – ideal als Kombination.
Hoi An kulinarisch

Hoi An hat durch seine Geschichte als internationaler Hafen eine eigene Küche entwickelt – eine Mischung aus vietnamesischen, chinesischen und japanischen Einflüssen. Drei Gerichte sollte man kennen:
Bánh mì — das berühmteste Streetfood Vietnams, und in Hoi An besonders gut. Das baguetteähnliche Brot mit Fleisch, eingelegtem Gemüse, Koriander und Soße ist der koloniale Einfluss der Franzosen in Reinform. Der Hype-Laden ist Bánh Mì Phượng — Anthony Bourdain hat ihn einmal als den besten bezeichnet, seitdem stehen Schlangen davor und das Personal ist sichtlich gestresst. Das Bánh mì dort ist gut, ja. Aber ich würde stattdessen zu Madam Khanh – The Banh Mi Queen gehen. Mindestens genauso lecker, ohne das Zirkus-Feeling.
Cao Lau — das charakteristischste Gericht Hoi Ans. Bissfeste, leicht gelbliche Reisnudeln mit mariniertem Schweinefleisch, frischen Kräutern, Bohnensprossen und knusprigen Crackern. Das gibt es so nur hier — die Nudeln werden angeblich nur mit Wasser aus einem bestimmten Brunnen in der Stadt hergestellt.

Abends Barbecue — in der ganzen Stadt gibt es vietnamesische Barbecue-Restaurants, die ihre Spieße auf die Straße stellen. Einfach hinsetzen, zeigen was man will, und schauen wie es direkt vor einem gegrillt wird. Das ist Hoi An at its best.
An den Strand radeln
Hoi An ist kein klassischer Strandort — aber die Strände sind näher als man denkt. Mit dem Fahrrad sind es zum An Bang Beach nur wenige Kilometer, und von dort kann man einfach weiter gen Süden entlangschlendern. Eine Kokosnuss kaufen, auf eine Strandliege setzen — und die unerträgliche Mittagshitze in Würde ertragen. Die Strände liegen alle nebeneinander, einfach den schönsten aussuchen.
Hoi An am Abend
Abends gehört Hoi An zu sich selbst. Die Altstadt wird zur Fußgängerzone, die Laternen gehen an, und am Fluss sitzen ältere Frauen in kleinen Booten und sprechen jeden an — sie bieten Paddeltouren zum Sonnenuntergang an oder wollen gemeinsam Leuchtlaternen aufs Wasser setzen. Es ist touristisch, ja. Aber es sieht trotzdem schön aus.
Auf der anderen Seite des Thu Bon Flusses gibt es einige Bars mit Blick auf die beleuchtete Altstadt — ein guter Abschluss für den Tag. Abends finden auch regelmäßig Performances in der Altstadt statt, teilweise traditionelle Musik und Tanz.
Die Foto-Galerie von Réhahn
Der französische Fotograf Réhahn hat sich auf Porträts älterer Menschen aus verschiedenen vietnamesischen Ethnien spezialisiert. Seine Bilder transportieren Emotionen auf eine Art, die mich wirklich beeindruckt hat — zu jedem Foto gibt es eine Geschichte. Die Galerie ist kostenlos, Prints und Postkarten kann man vor Ort kaufen. Ein stiller Moment inmitten des Trubels der Stadt.

Übernachten in Hoi An
Unterkünfte gibt es in allen Preisklassen, von günstigen Hostels bis zu Boutique-Hotels mit Pool. Ich habe in der Hoi An Rustic Villa übernachtet — tolles Zimmer, kleiner Pool, Frühstück inklusive, Fahrräder kostenlos. Knapp 20 € die Nacht für dieses Paket ist unschlagbar. Direktbuchung unter +84 93 544 11 17.


Wie lange sollte ich bleiben? Mindestens vier Tage. Drei Tage reichen zum Abhaken — aber Hoi An ist kein Ort zum Abhaken.
An- & Abreise
Von Hué: Am einfachsten per Bus über Da Nang. Von der südlichen Busstation in Hué nach Da Nang (~2,5 Std.), dann weiter zur Hoi An Busstation (~1 Std.). Insgesamt ca. 5 Stunden. Die Strecke über den Wolkenpass (Hải Vân Pass) ist eine der schönsten Vietnams — Fensterplatz sichern.
Von Da Nang: Taxi oder Shuttle, ca. 45 Minuten, sehr unkompliziert. Günstiger: öffentlicher Bus ab Da Nang Central Bus Station.
Von Ho-Chi-Minh-Stadt: Zug (~17 Std.) oder Nachtbus (~24 Std.) — beide fahren mehrmals täglich. Weiter geht es im Vietnam-Cluster nach Hué, Ninh Binh oder direkt auf den Ha-Giang-Loop.
Häufige Fragen zu Hoi An
Mindestens vier Tage. In drei Tagen schafft man die Highlights, aber Hoi An lebt davon, dass man einfach da ist — morgens früh durch die leere Altstadt schlendern, mittags am Strand, abends am Fluss. Wer nur zwei Tage hat, verpasst den eigentlichen Vibe.
Absolut. Die Qualität ist gut, die Preise sind fair, und man bekommt etwas Maßgeschneidertes, das man jahrelang trägt. Meine Empfehlung: Mr. Xe — ein absoluter Perfektionist, der über Hoi An hinaus bekannt ist. Etwas Zeitpuffer einplanen, fast jedes Stück braucht eine Anprobe und Nachbesserung.
120.000 VND (~5 €) pro Person, gültig für 24 Stunden und inklusive Eintritt zu 5 Sehenswürdigkeiten aus einer Liste von über 20 Orten. Wer mehr sehen möchte, kauft einfach ein zweites Ticket.
Das charakteristischste Gericht ist Cao Lau — bissfeste Reisnudeln mit Schweinefleisch, Kräutern und Crackern, die es so nur in Hoi An gibt. Dazu Bánh mì (am besten bei Madam Khanh statt im überfüllten Phượng-Laden) und abends vietnamesisches Barbecue auf der Straße.
An Bang Beach ist der nächste und bekannteste, nur wenige Kilometer per Fahrrad erreichbar. Von dort kann man einfach weiter südlich entlangschlendern — die Strände liegen alle nebeneinander. Kokosnuss kaufen, Strandliege, fertig.
Per Taxi oder Shuttle ca. 45 Minuten, sehr unkompliziert. Günstiger: öffentlicher Bus ab der Da Nang Central Bus Station. Von Hué aus empfiehlt sich die Route über Da Nang mit Zwischenstopp — die Fahrt über den Wolkenpass ist eine der schönsten Strecken Vietnams.
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